Reisebericht von Eliane & Stefan, April 2026
- 10. Juni
- 10 Min. Lesezeit
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6. April 2026
Liebe Freunde
Wir sitzen im Flugzeug nach Entebbe. Unter uns das Wolkenmeer, die Lüftung brummt vor sich hin, gedämpft dank Geräuschunterdrückung des Kopfhörers und ab und an kommt eine undeutliche Durchsage aus dem Cockpit. Da will man doch glatt einen Campari Soda bestellen. Aber am Flughafen wartet ja schon das Taxi mit Edrine als Fahrer und natürlich Shadrack. Er ist um 3 Uhr von Bugiri aufgebrochen um uns persönlich abzuholen 🥰
Wir sind also im Anflug auf Kampala und staunen immer wieder, wie schnell man von A nach B kommt. Auf dem Monitor, wo der Flug graphisch dargestellt wird, sieht es zwar nicht so aus. Aber wenn man diesen nur alle 30 Minuten konsultiert wird sichtbar, wie schnell mal sich durch die Lüfte bewegt.
Der Zwischenstop in Addis Ababa ist etwas hektisch. Einerseits muss man alles nochmals durchleuchten lassen andererseits hat es unglaublich viele Menschen im Transitbereich. Aber das ist auch ein Highlight der Reise. Als Mega-Hub, der alle Länder Afrikas bedient, aber auch weltweit sehr viele Destinationen anfliegt, treffen hier so viele Kulturen aufeinander. Vor allem Reisende aus Afrika tragen traditionelle Kleidung der Heimat. Man kann sich fast nicht sattsehen an den Farben und Mustern.
Dieses Mal werden wir noch von Judith nach Bugiri begleitet. Sie freut sich mit uns auf die Kinder.
8. April 2026
Ostern ist der wichtigste Feiertag in Uganda und auch für uns. Erst mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus macht das Christentum Sinn. Viele verreisen, besuchen Verwandte und verstopfen die Strassen. Das kennen wir bestens von Zuhause - Stichwort Gotthard - und hier ist es nicht anders. Dass unser Flug eine Stunde Verspätung hatte, machte das Ganze nicht einfacher. Unsere Reise mit dem Taxi dauerte noch länger als gewöhnlich und erst kurz vor 22 Uhr Ortszeit trafen wir im Kinderheim ein.
Wie immer machten wir in der Victoria Mall in Entebbe einen Halt. Shadrack und Edrine brauchten dringend eine Stärkung vor der Rückfahrt, bis dahin hatten sie noch nichts gegessen. Auch machen wir jeweils noch einige Einkäufe. Dieses Mal war es aber speziell, denn wir trafen mit Judith zusammen. Bisher hatten wir uns nur telefonisch ausgetauscht, jetzt konnten wir uns herzlich begrüssen. Judith ist die Schwester von Matthias, dem Präsidenten von Help in Need. Wir hatten sofort einen guten Draht zueinander, einen regen Austausch während der Fahrt und freuten uns auf die gemeinsame Zeit.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, auch von Shadrack und den Kindern, an alle, die uns mit Kleider-, Spiel-, Schuhspenden und finanziellen Mitteln auf die Reise schickten.
Der Empfang am Abend im Heim hat uns sehr berührt. Einige Kinder haben uns beim Wagen in Empfang genommen. Auch die Leiter waren da und wir lagen uns in den Armen wie beim letzten Abschied im Herbst. In den Zimmern waren die Kinder sogar noch auf und haben uns mit freudigen Liedern willkommen geheissen. Die Begrüssung war kurz aber umso herzlicher und dann freuten wir uns wieder in einem Bett schlafen zu können.
Am Dienstag hatten wir dann Zeit mit Shadrack und dem Team auszutauschen, was sich alles so ereignet hat im letzten halben Jahr. Vor allem aber wollten sie uns auch die neu erstellten Gebäude zeigen. Und es ist erstaunlich jetzt im neuen Haus stehen zu können. Ein genauer Augenschein des Geländes wird noch folgen, zu unserer Freude legen sie aber schon grossen Wert auf Sauberkeit.
Dann endlich nach dem Mittagessen bevölkerten auch Kinder das Gelände. Erst die Kindergärtner, da sie nachmittags frei haben und später auch die grösseren. Die Spielgeräte standen im Dauereinsatz, auch Korbball und Fussball sind weiterhin hoch im Kurs. Auch von uns mitgebrachte Kinderspiele wurden hervorgeholt und in Gruppen gespielt. Speziell schön waren die Momente wo uns die Kinder mal mehr mal weniger versteckt zugewinkt haben. Zum Teil kamen sie auch auf uns zu und schüttelten uns die Hände. So ihre Freude und Dankbarkeit uns gegenüber zu sehen berührte uns sehr. Wir sind ja nur die Überbringer und das Gesicht des Verein. Ohne die treue Unterstützung von vieler, wäre das gar nicht möglich ❤️
10. April 2026
Es ist Freitagabend, wir sitzen gemütlich im Hotel und lassen die vergangenen Tage Revue passieren.
Mittwoch und Donnerstag verbrachten wir im Waisenheim mit vielen Gesprächen und praktischer Hilfe. Es wird hier immer noch mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, wenn ein Weisser selber Hand anlegt. Weisse verteilen Aufgaben und machen selber nichts. Da können wir ihnen die Kultur von Gottes Königreich näher bringen, wo sich keiner über den anderen erhebt. Natürlich haben wir auch Kontrollfunktionen und daraus gehen Aufgaben hervor, die sie umsetzen müssen wenn wir zurück in der Schweiz sind.
Wir sind immer aufs Neue fasziniert den Kindern beim Spielen zuzuschauen. Eigentlich brauchen sie gar nichts, einfach einander, um sich zu beschäftigen. Und wie friedlich das alles abläuft 😍. Keines hat ein Smart-Irgendwas. Wir wollen die Kinder aber auch fördern und haben darum dieses mal weitere Spiele im Gepäck - etwa Ubongo, Halli-Galli, Mikado oder Jenga und weitere. Diese bringen wir verteilt über mehrere Tage vorbei und führen sie mit Sarah, der Lehrerin, ein. Es geht aber nicht lange bis sich die ersten Kinder dazugesellen.
Diese beiden Tage waren für Judith, unsere Begleitung, etwas mühsam. Irgend etwas hat ihren Magen durcheinander gebracht und sie wurde von Durchfall geplagt. So verbrachte sie die Zeit im Waisenheim meist auf einer Matte liegend mit viel Schlaf. Heute war sie aber wieder fit und begleitete uns auf unserem Ausflug.
Vor der Abreise hatte sich Judith erkundet, ob es etwa eine Gitarre im Waisenheim hätte. Das hat es nicht und Shadrack wusste niemanden, der eine ausleihen könnte. Scheinbar hat er sich auch Edrine anvertraut und auf der Fahrt vom Flughafen nach Bugiri hat uns plötzlich an einer Kreuzung jemand eine Gitarre durchs Fenster ins Auto gereicht.
Am Donnerstag habe ich dann die Gitarre ausgepackt und begann sie zu stimmen. Ein Junge beobachtete mich und kam langsam näher. Er liess sich dann motivieren selber einmal zu versuchen der Gitarre ein paar Töne zu entlocken. Nach wenigen Sekunden waren wir umringt von anderen Kindern und es wurden immer mehr. Ich konnte mich fast nicht mehr bewegen und alle wollten auch einmal probieren. Noch nie hatten sie eine Gitarre gesehen und probierten verschiedene Techniken, praktikable und andere. Sobald sie die Gitarre in den Händen hatten, waren sie total konzentriert und bei einigen waren die ersten Versuche vielversprechend. Es gäbe wohl einige, die es relativ schnell lernen würden.
Heute machten wir einen Shopping Trip nach Tororo. Es brauchte wieder Stoff. Diesmal um die Mädchen weiter in die Kunst des Nähens einzuführen. Wir besuchten wieder das selbe Geschäft und quetschten uns wieder in den kleinen Kundenbereich. Während dem Einkauf war auf einmal draussen Bewegung auf den Gehsteigen. Eine neue Verordnung untersagt es, auf öffentlichem Grund Dienstleistungen anzubieten. Alles, was nach Verstreichen der Frist noch aufgestellt war, wurde relativ unzimperlich abgerissen. Auch der Nähladen hatte eine Auslage die per sofort verschwinden musste, andernfalls würde der Laden geschlossen. Die Auslage wurde mit unserer Hilfe schnell ins Innere gebracht, das Gestell wurde dann mit einer Art Vorschlaghammer unbrauchbar gemacht.
Das Highlight war dann noch der Besuch auf dem grossen Markt, wo wir uns mit Bananen eindeckten. Gefühlt an jedem dritten Stand gab es Bananen. Aber auch Fische und Fleisch, beides ohne Kühlung, Früchte, Reis, Bohnen, Gewürze, Kleider und Dinge für Küche und Haushalt gab es zu erstehen. Für uns war der Markt eine Attraktion, für alle auf dem Markt waren die drei Muzungus (also wir) die Attraktion 😎
12. April 2026
Wie immer sonntags feierten sie hier im Waisenheim Gottesdienst. Es war bereits unser viertes Mal und wir können beobachten, wie die Kinder reifer werden. Es gibt einen Kern der vorangeht und die anderen mitzieht. Bei der Lobpreiszeit haben alle mitgetanzt und -gesungen. Die Hingabe einzelner hat uns berührt. Im Anschluss an die Verkündigung von Sarah durften auch wir drei Besucher noch ein Wort an alle weitergeben. Diese Botschaften ergänzten sich wunderbar: Die Kraft aus Gottes Wort, Gott der jeden Menschen gleich liebt, Jesus das lebendig gewordene Wort und der Heilige Geist, der in jedem Gläubigen lebt.
Der Nachmittag gehörte dann ganz dem Spielen. Dieses mal wurde Musik abgespielt und viele Kinder tanzten in der Halle dazu. Wow, dieses Taktgefühl, dieser Rhythmus im Blut und diese Hüftschwünge. Die anderen Flächen wurden natürlich ebenfalls bespielt und es herrschte eine freudige, ausgelassene Stimmung. Und auch die Gitarre musste nochmals herhalten und wurde mal liebevoll mal ungelenk heftig bespielt.
Eine stürmische, regenreiche Nacht liegt hinter uns und seit 23 Uhr hat es keinen Strom mehr. Waren die Tanks gestern zum Teil schon leer, sind sie jetzt sehr gut gefüllt. Bei uns im Hotel gibt es mehr Niederschläge als hier im Waisenheim. Hatten wir Regen beim Hotel verneint Shadrack normalerweise die Frage ob es bei ihnen auch geregnet hätte. Er vertröstet uns (und sich) auf den folgenden Montag - dann wird es wieder regen geben😎. Das Wasser wurde also sehnlichst erwartet und alle sind dankbar darüber.
Die Sonne hier im Herzen Afrikas am Äquator brennt sonst unerbittlich auf das Land und die Köpfe. Wir aus der Schweiz schmieren uns mit Sonnencreme ein, tragen Hüte und suchen den Schatten. Alles Dinge, die die Menschen hier nicht in gleichem Mass brauchen. Die Kinder spielen draussen locker gefühlt für mehrere Stunden, und auch Arbeiter führen ihr Tagwerk in dieser Hitze aus. Natürlich wird auch Schatten sehr geschätzt und gerne aufgesucht. Die Kinder finden diesen in ihren Zimmern oder der Halle. Das sind die Momente, wo Spiele - auch die neuen - hervorgeholt werden.
Gesten hatten die Kinder schulfrei und es war den ganzen Tag über Hochbetrieb auf dem Gelände. Aber die Spiele arten nie aus, auch wenn es einmal etwas hoch zu- und her geht. Meinungsverschiedenheiten sind schnell geschlichtet und die grösseren Kinder trösten liebevoll die kleineren. Ob Wochenende oder Schulbertrieb, für die Küche macht das keinen grossen Unterschied. Am Samstag standen jedoch zusätzlich noch Fleisch und Früchte auf dem Programm. Wie kann es anders sein, das Fleisch kauft man am Stück und schneidet es selber in mundgerechte Stücke und die Hühner leben noch beim Kauf.
PS: Der Stromausfall war heute dann gegen 13 Uhr vorbei.
14. April 2026
Unsere täglichen Fahrten vom Hotel zum Waisenheim führen uns durch Bugiri. Erst auf dem Transafrika Highway fast in die Mitte und dann auf ungeteerten Strassen langsam an die Peripherie. Obwohl wir schon zum vierten Mal hier sind berührt uns die Situation der Menschen unverändert. Dass wir in die Leben einer neuen Generation säen und ihnen Hoffnung für die Zukunft schenken können, erfüllt uns mit grosser Dankbarkeit.
Heute war bereits der letzte Tag mit den Kindern. Schon gestern mussten wir viel Zeit aufwenden um unsere Aufgaben zu einem Abschluss bringen zu können und heute war es nicht anders. Wir konnten gar nicht so viel Zeit für die Kinder aufwenden. Als wir dann Zeit hatten kamen immer wieder Kinder auf uns zu und drückten ihre Dankbarkeit aus. Dass sie es hier so schön haben dürfen, und auch wie sehr sie die Obhut von Shadrack und seinem Bruder Phine schätzen. Uns haben sie als ihre Grosseltern ins Herz geschlossen. Den Dank geben wir gerne an alle weiter, die das Ganze hier erst möglich machen.
Judith war nicht mit offiziellen Aufgaben betreut und konnte mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Sie hat ein grosses Herz und einen guten Draht zu den Kindern. Gegenseitig brachten sie sich Sing- und Tanzspiele bei und lachten viel miteinander. Sowieso geben Lebensfreude und Lachen die Stimmung im Waisenheim am besten wieder. Es ist ein Vorrecht, dass wir uns hier einbringen dürfen.
Zum Abschied wurden uns Lieder gesungen und einige der Kinder gaben ihren Dank für alles hier zum Ausdruck, segneten alle Spender, Sponsoren und Donatoren. Auch die Hauptleiter brachen ihren Dank zum Ausdruck. Es ist allen bewusst, dass es ohne die Grosszügigkeit von Vielen kein solches Waisenheim geben könnte. Wir richteten auch noch ein paar Worte an alle und luden die Kinder dann ein, uns zum Abschied zu umarmen, wenn sie möchten. Zögerlich standen einige auf und bildeten eine Reihe, die aber schnell sehr lange wurde. Es folgten herzerwärmende Momente, wo uns die Kinder in die Arme fielen und uns herzlich und fest umarmten.. 102 Kinder - einige kamen gar mehrmals um eine Umarmung abzuholen. Zum Schluss folgten noch zwei Lieder ab Band zu denen ausgelassen getanzt wurde. Es heisst doch aufhören wenn es am Schönsten ist - dann freut man sich auch so richtig aufs Wiedersehen.
Morgen um 6 Uhr brechen wir Richtung Flughafen auf. Wir müssen genügend Zeit einrechnen, da der Verkehr ein nicht zu unterschätzender Spielverderber sein kann. Judith wird noch einen anderen Ort besuchen, so machen wir noch einen kleinen Umweg. Wie klein der sein wird finden wir morgen heraus.
16. April 2026
Wir sind geschafft und haben wieder heimischen Boden unter den Füssen. Rahel holte uns liebenswürdigerweise am Flughafen ab , so waren wir schnell daheim.
Jede Reise schreibt ihre eigene Geschichte. Eine Strecke, die wir bisher ohne besondere Vorkommnisse passierten verursachte dieses Mal staubedingt einen Zeitverlust von gut 30 Minuten. Grund - who knows. Dann blieben wir in einer Polizeikontrolle hängen weil es auf die Autonummer eine offene Busse hatte. Edrine war aber vorbereitet und hatte den Zahlungsbeleg griffbereit und nach einigen Minuten konnten wir weiter. Später fuhren wir nochmals in eine Polizeikontrolle, aber jetzt war das System à jour. Übrigens war es eine Übertretung eines anderen Fahrers, das Fahrzeug wird von verschiedenen Fahrern benutzt.
An einem Stand entlang der Strasse deckten wir uns mit Früchten ein. Was gibt es besseres als eine pflückfrische Banane zum Frühstück. In einem in Waldstück mit schlechter Strasse passierten wir einen Tanklaster, der vor kurzem in den Strassengraben kippte. Der Fahrer lehnte am Vorderrad und telefonierte noch. Auf der ganzen Strecke hat es jede Menge von Lastwagen. Viele sind schwer beladen und kommen von Mombasa und bergauf schaffen sie teilweise gerade mal etwas mehr wie Schritttempo. Das verleitet etwas schnellere Laster, normale PWs und vor allem Taxis zum Überholen. Die Taxifahrer kennen nichts und fahren auch mal links vorbei (Uganda hat eigentlich Linksverkehr). Dazu gesellen sich die Boda Boda welche auch jede Lücke nutzen. In besagtem Waldstück wird es dann aber kriminell.
Das Nadelöhr Mukono breitete uns dafür diesmal keine Schwierigkeiten. Nach dem Blitzkauf eines Kleides aus dem Auto fuhren wir ca. 20 km nordwärts um Judith bei ihrer nächsten Station auszuladen. Für die nächsten Tage bleibt sie im New Life Orthopedic Center und unternimmt mit Sara, die dort arbeitet, spannende Ausflüge. Wir haben uns in die Herzen geschlossen und verabschiedeten uns etwas wehmütig, war sie doch fast wie eine Tochter für uns. Der Umweg ist also nicht der Rede wert.
Auf und neben der Strasse sieht man fast alles was wir uns gar nicht vorstellen können. So überholten wir heute noch einen Kleintransporter, der ein Sofa aufgeladen hatte. So weit so gut. Aber auf dem Sofa sass bereits die neue Eigentümerin und telefonierte 😂
Zum Schluss noch einige neu aufgeschnappte Wörter in der Lokalsprache: Polampola - langsam, mangu - schnell, webale - Danke, webale kufumba - Danke fürs Essen (an den Koch). Letztes konnten wir zum Erstaunen der Köchinnen in Anwendung bringen. Seit da nennen sie uns ‚Muzungu-Uganda‘.
Ende September geht’s dann erneut auf Reisen. An dieser Stelle herzlichen Dank für euer Interesse an unserem Abenteuer in Uganda, der Perle Afrikas und dem Waisenheim. Dort wurde mit der geplanten Erweiterung bereits begonnen. Näheres dazu dann im Herbst.
Herzlichi Grüess, eliane & stefan
